13. März 2012

„Lust auf Fettes“ – Fettrezeptoren auf der Zunge

Die Lust auf Nahrungsmittel mit hohem Fettgehalt ist bei vielen Menschen besonders ausgeprägt. In unserer Zivilisationsgesellschaft mit der ständigen Möglichkeit, diese Lust zu bedienen, führt dies zu verstärktem Auftreten von Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DifE) haben in Zusammenarbeit mit Forschern der Technischen Universität München und der Charité Berlin in 2011 einen Fettrezeptor entdeckt, der in den Geschmacksknospen der Zunge und dem umliegenden Zungengewebe liegt.

Unser Geschmack

  • Wir verfügen über ca. 5000 – 10000 Geschmacksknospen im Mundraum. Davon liegen 2/3 auf der Zunge. Aufgenommene Nahrung wird mit Speichel vermischt und gelangt so in die Poren – die entsprechenden Sinneszellen werden gereizt und „Geschmack“ wird wahrgenommen.
  • Bisher ging man davon aus, dass der Mensch fünf unterschiedliche Geschmacksqualitäten wahrnehmen kann: süß, sauer, salzig, bitter und umami („fleischig“, „herzhaft“). Die Geschmackswahrnehmung spielt für unsere Nahrungsaufnahme eine entscheidende Rolle – sie hilft uns zu entscheiden, welche Nahrung uns lebensnotwendige Energie und Bausteine liefert und welche besser gemieden werden sollte. Wir sind dabei so „programmiert“, dass wir eine naturgegebene Vorliebe für die drei Makronährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette haben – in der heutigen Zeit begünstigt diese Vorliebe Übergewicht und ihre Folgen.
  • Bisher ging man davon aus, dass unsere Vorliebe für Fett insbesondere auf die Beschaffenheit fetthaltiger Nahrung zurückgeführt werden kann.
    Ferner dient Fett vielen Geschmacks- und Aromastoffen als Lösungs- und Transportmittel.

Neue Erkenntnisse

  • Versuche an Nagetieren haben jedoch gezeigt, dass ein bestimmter Rezeptorkandidat unserer Zunge als Sensor speziell für den alleinigen Fettgeschmack eine wichtige Rolle spielt. Dieser Rezeptor konnte durch langkettige Fettsäuren, die diesen typischen Geschmack hervorrufen, nachgewiesenermaßen deutlich aktiviert werden
  • Der Wissenschaftler Philippe Besnard von der Universität Bourgogne in Dijon und sein Team konnten schon 2005 nachweisen, dass das Gen, welches für die Bildung des Fettgeschmack-Rezeptors CD36 verantwortlich ist, in den Zungenpapillen der Tiere besonders aktiv ist. Im Rahmen der Studie wurde das Gen bei einigen Mäusen „ausgeschaltet“ (Knock-out-Mäuse).
    Das Ergebnis: bei unterschiedlichem Nahrungsangebot zeigten die „normalen“ Mäuse weiterhin eine ausgeprägte Vorliebe für Fetthaltiges – die Knock-out-Mäuse zeigte die Fettvorliebe nicht mehr.

„Dies als Beweis für die Existenz einer sechsten Grundgeschmacksqualität „fettig“ zu sehen, wäre aber sicher vorschnell “, so Wolfgang Meyerhof, Leiter der Abteilung Molekuläre Genetik am DifE. „Hierfür müsste man nachweisen, dass das durch den Fettrezeptor ausgelöste Signal über spezialisierte Geschmackszellen und nachgeschaltetet Nervenbahnen als Geschmackssignal ans Gehirn weitergeleitet wird“ sagt Maik Behrens.
Dennoch seien die Ergebnisse sehr interessant, da sie zeigten, dass auch der Mensch in seinen Geschmacksknospen über Fettrezeptoren verfügt.

Ausblick

  • Es liegt nahe, dass Veränderungen an diesem Fettrezeptor bzw. seinen Genen zu einer vermehrten oder verringeren Fettvorliebe führen.
  • Sollte ein solcher Zusammenhang in weiteren Studien nachgewiesen werden, eröffneten sich u. U. neue effektive Möglichkeiten zur Behandlung von Übergewicht.
Portrait Zahnarzt Essen - Dr. Jochum

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