Schnarchen Sie noch – oder schlafen Sie schon?

VOLKSKRANKHEIT: Der Feind im eigenen Bett – Millionen Deutsche schnarchen, nerven damit ihre Partner und gefährden oft auch ihre Gesundheit.

»Der Schlaf ist eine Pause des Lebens« (Hippokrates). Der Mensch verbringt immerhin etwa ein Drittel seines Lebens im Schlaf. Oftmals ist dieser jedoch durch Schnarchen ernsthaft beeinträchtigt, und sogar gravierende gesundheitliche Störungen können die Folge sein.

Die Physiologie des Schlafs

Der Schlaf kann in die Phasen I-IV und die nachfolgende REM-Phase unterteilt werden, die in der Nacht etwa alle 90 Minuten zyklisch durchlaufen werden. Der REM- oder paradoxe Schlaf (maximale Entspannung der Muskulatur bei sehr lebhafter Aktivität des Gehirns und der Augen) ist für die geistige und seelische Gesundheit von eminenter Bedeutung: Im Traumschlaf verarbeitet der Mensch die Erlebnisse des Tages. Ohne diese Schlafphase ist beispielsweise Lernen unmöglich, da jetzt Wichtiges von Unwichtigem getrennt wird.

Störfaktoren

Neben exogenen Faktoren wie Lärm oder großen Höhen (> 3.000 m) sind Schlafstörungen zu 60 bis 70% psychogener Natur. Die moderne Schlafmedizin kennt über 80 Krankheitsbilder, die mit gestörtem Schlaf einhergehen. In Schlaflabors wird daher versucht, den Ursachen gestörten Schlafs nachzugehen.

»Harmloses« und krank machendes Schnarchen

Gerade obstruktive schlafbezogene Atemstörungen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Erschlaffung der Muskulatur in der Tiefschlafphase führt dabei zu einem Kollaps der extrathorakalen Atemwege, z. B. durch den Zungengrund und den weichen Gaumen. Alkoholgenuss und Übergewicht verstärken diesen Effekt.

Nach dem resultierenden Atemstillstand wird die Atemarbeit stoßweise sehr stark erhöht und es kommt nach dem bekannten explosionsartigen Schnarchton über eine vom Schlafenden nicht bewusst wahrgenommene »Weckreaktion« zur Zerstückelung des empfindlichen REM-Schlafs. Treten diese Atmungsaussetzer von mindestens zehn Sekunden Dauer öfter als 5-mal pro Stunde auf, spricht man von einer Schlafapnoe. Dabei handelt es sich nicht mehr um sog. »harmloses Schnarchen«, da mit der nächtlichen Sauerstoff-Minderversorgung neben dem Absinken der allgemeinen Leistungsfähigkeit am Tage (Unfallgefahr!) das Risiko von koronaren Herzkrankheiten, Schlaganfällen und Herzrhythmusstörungen erheblich steigt.

Therapiemöglichkeiten im Schlaflabor

Bei einer im Schlaflabor festgestellten schweren Apnoe setzt man eine maschinelle Therapie ein. Das nCPAP-Gerät (nasal continuous positive airways pressure) wirkt über eine Atemmaske wie eine pneumatische Schienung, hält die Atemwege mit Überdruck von 12 bis 14 Millibar offen und wird zu Hause angewendet.

Aufgrund der hohen Kosten und der für Schnarcher und Partner wenig komfortablen Anwendung bietet sich diese bekannte Form der Therapie aber nur für wirklich schwere Fälle an. Leichtere und ebenso störende Formen ohne besorgniserregende Apnoephasen lassen sich häufig vom Zahnarzt therapieren.

Der Zahnarzt als Therapeut

Wichtig ist zur Beurteilung der Schnarchgewohnheiten die Beantwortung der folgenden Fragen, die auch von Schlafmedizinern immer gestellt werden:

  1. Schnarchen Sie jede Nacht, auch ohne Alkohol?
  2. Werden Personen in benachbarten Räumen gestört?
  3. Wurden bei Ihnen Atemstillstände im Schlaf beobachtet?
  4. Fühlen Sie sich morgens schlapp und müde?
  5. Erwachen Sie morgens bereits mit Kopfschmerzen?
  6. Fühlen Sie sich in Ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt?
  7. Werden Sie grundlos am Tag mehrmals müde?
  8. Schlafen Sie leicht beim Fernsehen, Lesen, am Arbeitsplatz ein?
  9. Schlafen Sie im Kino oder im Theater ein?
  10. Werden Sie beim Autofahren leicht müde?
  11. Haben Sie Schwierigkeiten, sich lange zu konzentrieren?
  12. Haben Sie Bluthochdruck und nehmen Sie Medikamente dagegen?
  13. Nehmen Sie regelmäßig Schlafmittel?
  14. Haben Sie Übergewicht?

Diesen Fragebogen können Sie hier als pdf-Datei
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Schnarchschiene

Kann mit Hilfe dieser Fragen und ggf. mittels Bestätigung durch das Schlaflabor das regelmäßige Vorliegen langer Apnoephasen ausgeschlossen werden, ist es möglich, mit einer Schnarchschiene (sog. “IST”-Gerät nach Prof. Hinz) Abhilfe zu schaffen. Dieses Gerät besteht aus einer Schiene für den Oberkiefer und einer Schiene für den Unterkiefer. Beide Schienen sind mittels teleskopierender Edelstahlröhren (sog. Führungsteleskope) miteinander verbunden. So bleibt eine gewisse Freiheit bei den Unterkieferbewegungen erhalten. Die Führungsteleskope werden dabei so montiert, daß der Unterkiefer in einer vorverlagerten Position gehalten wird. Der Rachenraum wird dadurch geöffnet, die Zunge nach vorne verlagert (s. Abb.).

Dadurch ergibt sich ein grösserer Querschnitt für die ein- und ausgeatmete Luft. Durch die damit reduzierte Strömungsgeschwindigkeit kann das Gaumensegel nicht mehr so leicht mitschwingen, das Schnarchen wird verhindert oder aber zumindest drastisch reduziert.

Prävention

Eine wirkungsvolle Prophylaxe der gefährlichen Apnoe (Atemstillstand) kann in vielen Fällen weitere Folge sein. Jedes dieser Geräte wird nach Untersuchung, Abdrucknahme und Bißregistrierung durch den Zahnarzt individuell für jeden Patienten im zahntechnischen Labor hergestellt. Die Kosten betragen ca. 680,- €.

Schnarchen als Beziehungskiller!

Frauen gehen zu gutmütig mit Säge-Männern um. Frauen verzichten oft bis zu 5 Stunden Schlaf pro Woche. Männer wecken schnarchende Frauen meist einfach auf. Auch Frauen brauchen ihren Schlaf, doch wenn schnarchende Männer dies unmöglich machen kann das schnell das Ende einer Beziehung bedeuten.

Ein englisches Forscherteam der University of Surrey analysiert derzeit in einer breit angelegten Studie das Schlafverhalten von Paaren und hat nun erste Ergebnisse bekannt gegeben, berichtet die BBC. Demnach besteht das zentrale Problem vieler Paare darin, dass Frauen viel zu nachsichtig auf das Schnarchen ihrer Partner reagieren und so auf bis zu fünf Stunden Schlaf in der Woche verzichten. Dadurch werden nicht nur die Leistungen am Arbeitsplatz, sondern auch die Fahrtüchtigkeit und die Fitness der Frauen stark beeinträchtigt.

Das Forscherteam hat bis jetzt 25 Paare eingehend analysiert und kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass bei einigen Paaren die Männer den schnarchenden Part übernehmen, während bei manchen Paaren auch die Frauen diese Verhaltensweise an den Tag legen. Männer realisieren dies jedoch meist nicht, da sie einen viel tieferen Schlaf haben als Frauen. Frauen hingegen werden durch das Schnarchen der Männer leicht aufgeweckt, reagieren dann jedoch nicht auf das Verhalten ihrer Männer, um deren Schlaf nicht zu stören. »Frauen akzeptieren das Schnarchen der Männer, um das zu tun, was das Beste für ihre Männer ist. Meist hören sie dem Schnarchen nur zu oder stören ihren Partner gegebenenfalls nur so leicht, dass dieser zu schnarchen aufhört, jedoch nicht aufwacht. Manche Frauen wechseln auch das Zimmer, um Ruhe zu finden. Sogar wenn das Paar Kinder hat, fahren Sie mit dieser Gewohnheit fort. Frauen sollten jedoch das Recht auf eine ganze Nacht voller Schlaf einfordern«, erklärte Sue Venn, Mitglied des Forscherteams.

Männer wecken Schnarcherinnen einfach auf

Denn umgekehrt gehen die Männer mit ihrer besseren Hälfte weit weniger behutsam um. Das Gros der Männer weckt ihre Partnerin ganz einfach auf, konnten die Forscher feststellen. »Männer, die durch ihre schnarchenden Frauen geweckt werden, zeigen eine höhere Bereitschaft dem Schnarchen ihrer Frauen durch einen Schubs oder durch Wachrütteln ein Ende zu bereiten«, so die Experten. Darüber hinaus sind die Frauen meist beschämt über ihr Schnarchen und es ist ihnen peinlich, sich dieses Verhalten einzugestehen. »Frauen glauben, dass es nicht »Lady-like« ist zu Schnarchen«, erklärte Melissa Hack, Vorsitzende der British Sleep Society.

Schnarchen als Beziehungskiller

Für das Beziehungsleben der Paare kann das Schnarchen eine ernst zu nehmende Bedrohung darstellen, erklärten die Experten. »Schnarchen hat einen katastrophalen Effekt auf die Beziehung und führt nicht selten zur Trennung«, resümiert Hack. Dabei ist es so einfach gegen das Schnarchen vorzugehen. Schnarchen ist prinzipiell nur eine einfache Vibration, die während des Schlafens durch die Erschlaffung der Muskeln in der hinteren Kehle entsteht. Begünstigt wird das Schnarchen noch zusätzlich durch Übergewicht, durch die Stellung des Kiefers und durch die eigene Anatomie der Atemwege. Durch eine Reduktion des Alkohol- und Zigarettenkonsums, durch eine geänderte Schlafstellung oder durch spezielle Mundschienen, welche die Muskeln stützen und so das Schnarchen verhindern, kann das Problem schon wesentlich reduziert werden, erklärten die Experten.

(Quelle: pressetext.austria)

 

 

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